Nachtblindheit ist eine der gravierendsten sozialen Einschränkungen für Usher Betroffene. Betroffene können sich zwar am Tage ausreichend orientieren und fortbewegen, sind aber in der Nacht praktisch blind. Von besonderem Nachteil ist die Hilflosigkeit schon bei Dämmerung. Schon seit 15 Jahren erproben wir militärisch genutzte Nachtsichtgeräte, um diesen Nachteil auszugleichen. Jetzt wurde in Zusammenarbeit von privater Wirtschaft und Universitäten speziell für Sehbehinderte eine Nachtsichtbrille entwickelt. Diese Nachtsichtbrille soll nachtblinden Patienten (RP; Usher, Zapfen-Stäbchen Dystrophie, congenitale X-chromosomale stationäre Nachtblindheit) ermöglichen sich bei Dunkelheit zu orientieren und fortzubewegen.
Die Nachtsichtbrille besteht aus einem Brillenteil und einem Taschenteil. Im
Brillenteil befindet sich eine Infrarotbeleuchtung und eine Kamera. Das Restlicht
wird verstärkt und auf LCD Bildschirmen im Brillenteil abgebildet. Wenn das
Restlicht nicht ausreicht, kann zusätzlich eine Infrarotbeleuchtung
eingeschaltet werden. Die Bildverarbeitung und Stromversorgung erfolgt im
Taschenteil.
Schaubild: Nachtsichtbrille (73 kB)
An der Augenklinik Heidelberg wurde diese Nachtsichtbrille mit über 80 RP und Usher Betroffenen erprobt. Die untersuchten Patienten konnten sich bei abgedunkeltem Raum völlig frei bewegen, Gegenstände benennen, anwesende Personen erkennen und die Visustafel herunterlesen.
Bei Strassenbeleuchtung dagegen war die Orientierung mit der Nachtsichtbrille schwieriger, da draussen sehr unterschiedliche Beleuchtungssituationen und Hindernisse vorhanden sind als in einem Raum. Über die Hälfte aller Probanden hatte mit der Nachtsichtbrille eine bessere Orientierung und Mobilität nachts als ohne Brille.
Generell lässt sich sagen, daß nachtblinde Patienten mit einem ausreichenden Sehvermögen am Tag, mit einem Goldmann Gesichtsfeld >5° und einem Visus besser als 0,2 mit der Nachtsichtbrille hervorragend zurechtkommen.
Diese Nachtsichtbrille kann insbesondere in den fünf Herbst- und
Wintermonaten von November bis März für den Arbeitsweg eine wichtige
Sehhilfe bedeuten, indem sie die Mobilität und Selbständigkeit
wesentlich verbessert. Wir hoffen, daß es gelingt diese Nachtsichtbrille in
den Hilfsmittelkatalog der Krankenkassen aufnehmen zu lassen. Der erste Schritt
wäre es aber, dass die Nachtblindheit als Behinderung anerkannt wird.
Originaladresse von dieser Seite:
wwwitp.physik.tu-berlin.de/~krug/usher/dasush1.html